Von der Wirtschaftsstudentin zur Unternehmerin mit 2 Firmen

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Interview mit Rahel Hoffmann

Rahel Hoffmann, 32, Mutter und im Besitz eines Bachelors in Betriebswirtschaft, stieg 2016 in die von ihrem Mann gegründete Firma Avenwood ein. Seither leiten sie zusammen die Produktion von Handyhüllen aus Bambus, einer Geschäftsidee ihres Mannes. Dieser startete 2014 nebenberuflich mit dem Verkauf über einen eigenen Online-Shop.

2016 hängten sie beide ihre festen Jobs an den Nagel und wagten den Schritt in die Selbständigkeit. In nur fünf Jahren wurde aus dem Online-Shop eine erfolgreiche Offline-Firma mit zwei Pop-Up-Stores und vielen Messeauftritten in der ganzen Schweiz. Der Online-Shop existierte weiterhin, aber ihren Hauptumsatz generierten sie an Weihnachtsmärkten. Seit 2018 führen sie in ihrem Sortiment zusätzlich Holzuhren.

Heute, Ende Oktober 2020, ist Avenwood eine erfolgreiche Firma mit zehn Mitarbeitern und einem Umsatz von einer Million Schweizer Franken. Rahel empfand es als eine grosse Herausforderung, ihre Rolle im Unternehmen zu finden und diese zu erfüllen. Sie musste lernen, sich wie eine Chefin zu verhalten und ihren Standpunkt zu verteidigen.

Rahels Hauptgrund für den Einstieg bei Avenwood ist die Selbstbestimmung. Bereiche und Produkte, die man spannend findet, selber aussuchen zu können, das Ziel definieren und Mitarbeiter auswählen zu dürfen, all das reizt sie bis heute. Man solle sich beim Gründen aber keine Illusionen machen: Nicht umsonst sagt man «selbst» und «ständig». Als Unternehmer*in ist man für vieles verantwortlich und muss manchmal auch schwierige Entscheidungen treffen.

Der Beginn der Coronakrise bedeutete für Rahel und ihren Mann eine enorme Umstellung. Ihre erfolgreiche Offline-Firma wurde über Nacht wieder zu einem reinen E-Commerce-Unternehmen. Obwohl es viel Energie kostete, sagt Rahel heute überzeugt: «Es war eine grosse Chance».

Sie nutzen die Zeit für Online-Marketing. Heute haben sie mehr Knowhow und die Arbeitsstruktur hat sich verändert. So schafften sie es, das fehlende Offline-Geschäft zu kompensieren. Heute sind sie ein reines Online-Unternehmen und können den Umsatz von einer Million halten.

Vor ihrem BWL-Studium, begann Rahel, Architektur zu studieren und arbeitete ein Jahr bei einem Architekten. Das Thema Innenarchitektur begleitet sie schon lange. Ihr Traum war es immer, von der Gestaltung von Räumen, deren Planung und Umsetzung leben zu können. Und so fragte sie sich: Wenn das das Beste für mich ist, weshalb mache ich das nicht? Es erstaunt also nicht, dass sie diesen September ihre zweite Firma rKid gründete. Im Oktober konnte sie ihren ersten Auftrag unterschreiben.

Als Interior-Designerin gestaltet sie Innenräume angenehm und passend zur Raumfunktion. Sie steht noch am Anfang und sagt: «Ich tanze auf zwei Hochzeiten, aber das ist auch gut so». Rahel findet es spannend, sich mit dieser zweiten Firma auf etwas Neues einzulassen.

Ihr Angebot ist vielfältig: Vom Aussuchen der passenden Möbel, der Vorhänge, und deren Platzierung, bis hin zur Planung eines kompletten Küchenumbaus oder der Renovation eines Einfamilienhauses. Es ist alles dabei. Sie fände es auch spannend, den Ausbau einer Bar designtechnisch planen zu dürfen. Sie betont aber, keine Innenarchitektin zu sein. Für die Zeichnung der technischen Pläne für Sanitär und Elektriker holt sie sich Unterstützung bei einem Partner.

Im Moment bietet sie einen Online-Design-Service. Kunden können die Grundrisse der Räume und Fotos vom Mobiliar schicken, das sie integrieren möchten. Rahel stellt ihnen Mood-Boards, Grundrisse und Farbpaletten zusammen. Diese bekommt man zusammen mit einer Einkaufsliste der Möbel, die Rahel ausgesucht hat, elektronisch zugesendet.

Zudem ist sie auch «Designer for a day». An einem halben Tag ist sie vor Ort und die Kunden können mit ihr alle Fragen besprechen. Rahel ist froh, dass sie BWL studiert hat. Das gibt ihr eine gewisse Sicherheit und vieles erscheint ihr im Geschäftsleben dadurch nicht komplett neu. Aber die Praxis entspricht nicht vollständig dem, was man im Studium lernt.

Der schlimmste Moment in ihrer unternehmerischen Karriere war, als sie einem Mitarbeiter kündigen musste. Da Avenwood ein kleines Unternehmen ist, hat man das Gesicht des Betroffenen vor Augen.

Trotzdem zweifelt sie bis heute nicht an der Entscheidung, sich selbständig gemacht zu haben. Natürlich gebe es auch schlechte Tage, weil man nicht immer allem und jedem hinterherjagen möchte. Da musste sie schon auch einmal schimpfen.

Auch mit Avenwood klappte nicht alles auf Anhieb. Nach einem Jahr hatten Rahel und ihr Mann ein Tief und sprachen darüber, den Laden nach den beiden nächsten Wintersaisons zu verkaufen. Es kam anders: Eine Reise 2018 brachte sie auf neue Ideen und sie wurden sich ihrer erarbeiteten Basis bewusst. Das stärkte sie und das Geschäft lief weiter.

Einen sehr schönen Moment als Unternehmerin erlebte Rahel diesen Frühling. Avenwood bezog ein grösseres Büro und sie konnten sich erstmals cooler einrichten. Das Sitzungszimmer gestaltete ein Schreiner.

Könnte sie das Rad zurückdrehen, würde sie nicht vieles anders machen. Sie ist überzeugt, dass die letzten fünf Jahre so sein mussten, auch wenn sie schwierig und anstrengend waren. Es gebe sehr viele Hochs, aber auch schwierige Momente. Diese brauche es, damit es auch die schönen Momente gibt. Sie ist froh, dass sie damals ihr Business mit einer gewissen Naivität und Euphorie starteten. Wenn man bereits am Anfang alles wüsste, was Schwieriges auf einen zukommen kann, dann würde man es bleiben lassen. Sie ist 100% davon überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war.

Rahels Lieblingszitat:

If you don’t like where you are, move! You are not a tree.

Tipps von Rahel:

  • Starte mit deiner Idee, deinem Produkt, auch wenn du denkst, du bist noch nicht soweit. Lege los und hinterfrage nicht alles.
  • Hol dir Hilfe. Wenn man um Hilfe bittet, dann findet man immer jemanden.
  • Lass dich nicht von der Angst blockieren.

Büchertipps von Rahel:

So erreichst du Rahel:

www.rkid.ch
www.avenwood.ch
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